3. März 2010

Neues von den Badbesetzern

Der Großmutter zur Freude und mir zum Zeitvertreib berichte ich mal eben das Neuste von den Marienkäfern, die seit kurzem in meinem Bad wohnen.

Eigentlich hatte ich gedacht, die seien schon über alle Berge. Ich habe im Bad ein großes Fenster, und das steht natürlich mehrmals am Tag offen. War aber nicht so. Heute hab ich selbst längere Zeit im Bad verbracht, und dabei habe ich beide wieder gesehen. Dazu komme ich gleich. Erst möchte ich ein wenig wehmütig werden. Wie schön war doch die Zeit, da ich ein kleines Viertelstündchen zum Duschen benötigte... dieser Tage läuft das hier ein bisschen anders. Zuerst suche ich mir eine brauchbare Plastiktüte, die vom Handgelenk bis mitte Oberarm reichen muss. Gar nicht so einfach, besonders weil ich so gut wie keine Plastiktüten im Haus habe. Also muss eine Mülltüte her, und auch das ist recht schwierig, weil die Größenangaben eben für Mülleimer und nicht für Oberarme gedacht sind.

Tüte schließlich doch gefunden, dann mit breitem Klebeband sorgfältig luft- und vor allem wasserdicht abgeklebt. So stellt man sich dann unter den Brausekopf, der in unserem alten Haus meist tut, was er will, und sich keineswegs nach den Temperaturwünschen des Badenden richtet. Dort versuche ich zwischen heißen und kalten Wasserstrählen, mich einarmig zu säubern, und des Ungemachs nicht genug entdecke ich einen der Marienkäfer, wie er neben mir auf dem Wannenrand durch die für ihn relativ großen Pfützen surft. Aber zum Glück bin ich fast fertig, beeile mich, mich einarmigerweise in trockene Tücher zu wickeln, um das Bad kurz zu verlassen, damit ich lebensrettende Maßnahmen einleiten kann. Zurück mit einem Blatt Toilettenpapier bewaffnet, fische ich den Käfer, der nun rücklings in einer der Pfützen um sein Leben ringt, mit dem weichen mehrlagigen Vlies aus der Wanne.

Damit der geneigte Leser mir das auch glaubt, habe ich das kurz dokumentiert. Und ich gebe hiermit mein Ehrenwort ab, dass das Klopapier jetzt unbesetzt ist und der Käfer sich quietschlebendig verkrümelt hat, obwohl er zugegemenermaßen auf diesem Foto nicht sehr fit aussieht. Eher wie eine vollgesaugte Zecke. Aber über das Leid anderer soll man keine Witze machen.

Was mit dem anderen Käfer ist? Der beobachtete diese Beinahetragödie ganz gelassen von der oberen Fensterkante aus.

Und ich habe nach dieser anstrengenden Rettungsaktion dann doch noch mein Körperpflegeritual erfolgreich beendet, mich angekleidet und mich meinem derzeit zugegebenermaßen stark reduzierten Tagwerk gewidmet. Nachdem ich meine Gipsschiene, die trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nass geworden war, getrocknet hatte.

Kommentare:

  1. Danke für Deinen Besuch in meinem Nähkästchen!

    Na, da bin ich sehr sehr froh, dass Du das Mutschkiepchen vor dem Ertrinken retten konntest! Aber vorm Verhungern??? :0(

    (Bin kein gebürtiger Oberfranke, "Mutschekiepchen" ist original weimarisch und ich weiß gar nicht, ob es das Wort außerhalb der klassischen Mauern noch irgendwo gibt.)

    Meine Fliepitiere scheinen nicht so der Renner zu sein. Macht nix, manchmal muss man geduldig sein.

    ♥eligste Grüße und einen schönen Abend!
    Michaela

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  2. Vor lauter Mutschekiepchen hab ich vergessen zu fragen, was denn mit Deinem Arm passiert ist. Jedenfalls wünsche ich Dir ganz ♥lich gute Besserung!
    M.

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  3. Du Ärmste! Einarmig durch's Leben marschieren zu müssen ist ja schon hart genug aber dass du dabei auch noch Krabbeltiere rettest finde ich ja extrem bemerkenswert! Wie lange musst du denn noch schienen? Ich wünsche dir, dass du es bald geschafft hast und wieder "Frau" über beide Arme sein kannst ;-)

    Liebe Grüße
    Ulrike

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  4. Liebe Großmutter,

    was die Ernährung der beiden angeht, da verlasse ich mich ganz auf das natürliche Gleichgewicht. Da sich Blattläuse schneller vermehren als Mutschekiepchen (witziges Wort das), dürfte das täglich Brot derselben gewährleistet sein. Jedenfalls schreien sie morgens nicht mit meiner Katze im Chor und wollen Fressen ;o)

    Ja, mein Arm... da wurde der Sulcusnerv (oder Musikantennerv) aufgrund ungünstiger Körperhaltungsgewohnheiten meinerseits übelst gequetscht, und nu hat man erst am Handgelenk herumoperiert und dann erkannt, dass die Quetschung auch am Ellenbogen sitzt. Deshalb die zweite OP letzte Woche.

    Hallo Ulrike,

    gell, ich bin eine Heldin ;o))) Die Schiene bleibt noch mindestens eine Woche, und schonen muss ich den Arm noch die nächsten drei Wochen. Erst Ende März darf ich wieder voll belasten.

    Gut's Nächtle und liebe Grüße an euch,

    Petra

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